Eine Fotoausstellung in zwei Teilen 48 Stunden Neukölln · 2026

Die Grenze
geht mit

— Spiegelungen des Weges

vier Jahre, neun Wege, über 4 000 Kilometer auf den Pilgerrouten Europas.

03 — 05 · Juli · 2026
vielleicht auch länger, bis 22. Juli Berlin · Neukölln

ein kleiner Vorgeschmack · die ganze Sammlung wartet vor Ort

N° 01 — Konzept

Der Camino wird entgrenzt.

Er entsteht überall, wo gewandert wird.

Vier Jahre. Über 4.000 Kilometer. Neun verschiedene Fernwanderwege quer durch Spanien, Portugal und Frankreich. Die meisten davon gehören zum berühmten Netzwerk europäischer Pilgerwege — dem Jakobsweg, dem „Camino de Santiago". Camino heißt auf Spanisch schlicht: Weg.

Und überall dasselbe unerwartete Motiv: Verkehrsspiegel. Diese unscheinbaren, praktischen Dinge, die eigentlich nur Kurven sicher machen sollen – und plötzlich zur Bühne werden. Für Landschaften. Für Begegnungen. Für sich selbst. Reflektiert in Spiegeln, eingebettet in fremde Welten. Sie ermöglichen Begegnungen mit sich selbst. Spannend und beruhigend zugleich — in immer neuen Landschaften wieder aufzutauchen, sich selbst zu entdecken, manchmal zu staunen, manchmal zu lachen.

Der Spiegel als Motiv ist kein Zufall. Er steht für das, was Wandern mit einem macht: Man schaut und wird gleichzeitig angeschaut. Man ist Fremde:r und doch immer irgendwie man selbst. Die Grenze ist nicht nur eine Linie, sondern eine Beziehung im Raum. Im Spiegel treffen Landschaft und Person aufeinander – manchmal zart, manchmal komisch, manchmal schlicht schön.

Und: Wandern überwindet Grenzen. Der Weg bringt Menschen zusammen – egal, woher sie kommen, was sie glauben, welche Sprache sie sprechen. Diese Idee will die Ausstellung in den Berliner Alltag tragen. Der Camino entsteht überall, wo gewandert wird.

N° 02 — Wo & wann

Eine Ausstellung in zwei Teilen.

Die Ausstellung „Die Grenze geht mit" ist kein klassisches Galerieformat. Sie bricht selbst aus – raus aus den Wänden, rein in den Kiez.

An jedem Bild — drinnen in der Brauerei wie draußen auf dem Camino N — führt ein QR-Code per Street View direkt an den realen Ort, wo der Spiegel wirklich steht. Der Camino kommt zu Dir. Nicht umgekehrt.

Teil 01 · Biergarten

Berliner Berg Brauerei

Treptower Straße 39 · 12059 Berlin

Neun großformatige Fotografien (80 × 120 cm) aus neun Wanderwegen — jede einzelne ein Spiegel, eine Landschaft, ein Moment.

Vernissage: Fr. 03.07.2026 · 19 Uhr
Öffnungszeiten: nach Brauerei-Plan
Zu Berliner Berg Brauerei →
Teil 02 · Outdoor

Camino N
ein Spaziergang

≈ 3,5 km · Neukölln · in beide Richtungen

Der „Camino N" führt als rund 3,5 km langer Spaziergang durch Neukölln — über Treptower Straße, Heidelberger Straße, Wildenbruchstraße, Weigandufer und Maybachufer bis zum Kottbusser Damm. Geplant sind rund 50 Fotos an Fassaden, Zäunen und in Läden der Nachbarschaft.

An vielen Stationen warten Stempel — Wanderpass füllen und einen eigenen Camino erleben. Den Pass gibt es an der Bar der Brauerei und an einigen Stellen entlang des Weges.

Route auf komoot öffnen →

N° 03 — Der Wanderpass

Ein Pass für den eigenen Camino.

Auf den offiziellen Jakobswegen braucht es einen Pilgerpass — die Credencial. Nur mit ihr darf man in den Pilgerherbergen übernachten; ihre gesammelten Stempel belegen den Weg und bringen am Ziel in Santiago die Compostela, die Urkunde des vollendeten Weges.

Für den Camino N gibt es einen eigenen Wanderpass — auf 150 Stück limitiert und handnummeriert, jeder mit einem echten kleinen Spiegel. An den Stationen entlang der Strecke wird es kleine Stempel geben, mit denen der eigene Wanderpass gestempelt werden kann. Erhältlich in der Berliner Berg Brauerei und an zwei, drei weiteren Orten am Weg.

Limitiert · 150 Exemplare · Handnummeriert

Der Camino N Wanderpass — handnummeriert, mit echtem kleinem Spiegel, aufgefächert auf einem Teppich
Camino N · Wanderpass N° 1 / 150
Karte der neun gewanderten Caminos durch Frankreich, Spanien und Portugal
Die gewanderten Routen · 2022 – 2025

Via Gebennensis

Genf Le Puy-en-Velay · 350 km

Die Via Gebennensis ist ein atemberaubender, rund 350 km langer Abschnitt des Jakobswegs in Frankreich. Er verbindet Genf mit dem berühmten Pilgerzentrum Le Puy-en-Velay in der Auvergne und gilt als einer der landschaftlich reizvollsten Wege.

Vom Genfersee durch die französischen Voralpen zur Via Podiensis — durch Hügellandschaften, Weinregionen und historische Städte. Abwechslungsreich, ruhig, fast schon vergessen — und gerade deshalb wunderschön. Die Route entspricht weitgehend dem Fernwanderweg GR 65.

Via Podiensis

Le Puy-en-Velay Saint-Jean-Pied-de-Port · 750 km

Einer der bekanntesten und landschaftlich eindrucksvollsten historischen Jakobswege Frankreichs — er führt durch das abwechslungsreiche Massif Central bis ins Baskenland. Entlang der Route begegnen Pilger romanischen Kirchen, mittelalterlichen Brücken und weitläufigen Naturlandschaften. Ausgangspunkt ist die spektakuläre UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Le Puy-en-Velay mit ihren markanten vulkanischen Felsformationen.

Von dort verläuft der Weg über die Hochebenen des Aubrac, durch die idyllischen Täler des Rouergue mit charmanten mittelalterlichen Orten wie Conques und Saint-Côme-d’Olt bis in die südfranzösische Gascogne, geprägt von historischen Bastide-Städten und malerischen Weinlandschaften.

Camino Francés

Saint-Jean-Pied-de-Port Santiago de Compostela · 780 km

Der Camino Francés ist der berühmteste aller Jakobswege — ein Weg, auf dem Pilger aus der ganzen Welt unterwegs sind. Von den Pyrenäen über die weiten Ebenen der Meseta bis nach Galicien durchquert man völlig unterschiedliche Landschaften in einer einzigen Wanderung. Doch so einsam die Naturabschnitte wirken mögen: Wirklich allein ist man hier selten. Der stetige Strom der Pilger begleitet den Weg — Begegnungen gehören genauso dazu wie der Weg selbst.

Camino del Norte

Irún Santiago de Compostela · 825 km

Der Camino del Norte ist die Küstenroute entlang des Atlantiks — ein Weg voller Salz in der Luft, rauer Natur und ständig wechselnder Nähe zum Meer. Auch wenn der Atlantik den Weg begleitet, verläuft die Route oft im Inland und führt nur immer wieder hinunter zur Küste, wo sich das Meer kurz ins Blickfeld schiebt, bevor es wieder zwischen Hügeln und Wäldern verschwindet. Im Vergleich zu anderen Jakobswegen trifft man hier weniger Pilger, dafür aber oft eine jüngere, sehr internationale Gemeinschaft.

Der Weg gilt als abwechslungsreich und stellenweise abenteuerlich: steile An- und Abstiege, schmale Pfade und fordernde Etappen gehören dazu. Besonders im Frühling oder Herbst zeigt er seine Stärke — im Sommer hingegen wird es an der Küste voller, die Wege touristischer und spontane Übernachtungen ohne Reservierung deutlich schwieriger.

Camino Primitivo

Oviedo Santiago de Compostela · 320 km

Der Camino Primitivo ist der älteste Jakobsweg — die Route, die bereits König Alfonso II. im 9. Jahrhundert ging. Er führt durch die Berge Asturiens und weiter nach Galicien, vorbei an Wäldern, grünen Tälern und kleinen, ursprünglichen Dörfern. Oft ist der Weg einsam, manchmal im Nebel, und deutlich anspruchsvoller als viele andere Jakobswege.

Etappen können lang und fordernd sein, teils über 25 Kilometer ohne Unterkunft — genau das macht ihn so besonders. Orte wie O Hospital mit seinen alten Pilgerhospital-Ruinen und Pferden auf den Weiden wirken fast zeitlos und erzählen noch heute von der langen Geschichte dieses Weges.

Camino Inglés

Ferrol oder A Coruña Santiago de Compostela · 120 km / 75 km

Der Camino Inglés ist einer der kürzeren Jakobswege — der historische Pilgerweg der britischen und nordischen Pilger, die per Schiff an der galicischen Küste ankamen. Heute startet er entweder in Ferrol oder A Coruña und führt durch grüne, hügelige Landschaften, kleine Dörfer und ruhige, oft sehr ursprüngliche Regionen bis nach Santiago.

Trotz seiner Kürze ist er mittlerweile recht stark frequentiert und gerade in der Hauptsaison gut besucht. Die Etappen sind gut zu bewältigen, wodurch sich viele Pilger für diesen Weg entscheiden — entsprechend lebendig ist er unterwegs, auch wenn er landschaftlich seinen Charme bewahrt.

Camino Fisterra & Muxía

Santiago de Compostela Fisterra · Muxía · 90 km / 120 km / 280 km

Der Camino Fisterra & Muxía ist die Verlängerung über Santiago hinaus bis ans „Ende der Welt” — nach Fisterra, dem alten „Finis Terrae”. Sanfte Hügel, kleine Dörfer und immer wieder der Atlantik begleiten diesen ruhigen, entschleunigten Weg. Eine der Lieblingsrouten der Fotografin. Hier sind deutlich weniger Pilger unterwegs als auf den klassischen Jakobswegen, oft trifft man eher Langstreckenwanderer oder sehr entspannte Pilger, für die die Compostela nicht im Mittelpunkt steht.

Der Weg lässt sich in beide Richtungen oder als Rundtour gehen, ohne dass man häufig in die „falsche” Richtung gewiesen wird. Am Leuchtturm von Kap Finisterre, wo früher symbolisch Kleidung verbrannt wurde, gehört heute der Sonnenuntergang zu den besonderen Momenten dieser Route.

Camino Portugués (Costa)

Porto Santiago de Compostela · 280 km

Dieser Camino führt entlang der portugiesisch-spanischen Atlantikküste — durch Sandstrände, kleine Fischerdörfer und duftende Eukalyptuswälder. Statt großer Städte prägen Holzstege, Dünenwege und immer wieder das offene Meer den Rhythmus der Etappen.

Der Weg verbindet Küstenpanoramen mit historischen Orten und wirkt dabei oft etwas lebendiger und abwechslungsreicher als die zentrale Route, da Land und Ozean ständig ineinander übergehen. Kleine Spiegel an Hauswänden, Cafés und Pensionen erinnern daran, dass man sich hier durch bewohnte Küstenlandschaften bewegt, nicht durch reine Einsamkeit — und genau dieser Mix macht den Reiz aus.

Camino dos Faros

Malpica Fisterra · 200 km

Der Camino dos Faros ist der „Weg der Leuchttürme” entlang der Costa da Morte — der wilden „Todesküste” Galiciens. Die Etappen führen durch eine der rauesten Atlantiklandschaften Europas: einsame Strände, steile Klippen und zahlreiche Leuchttürme, die den Weg wie Markierungen durch die Landschaft ziehen. Auf einigen Abschnitten ist der Weg körperlich sehr fordernd, mit vielen Auf- und Abstiegen und teils langen Etappen über reines Stein- und Küstengelände.

Der Weg ist gut markiert, aber deutlich anspruchsvoller als klassische Jakobswege. Da es nur wenige Herbergen gibt, übernachtet man meist in kleinen Hotels, oft mit Doppelzimmern. Auf manchen Etappen ist es empfehlenswert, den Gepäcktransfer-Service zu nutzen — das erleichtert die Strecke spürbar.

N° 05 — Über mich

Selbstporträt im Spiegel — Redondela, Spanien

Jolanda Roskosch

* 1975 · Oberschlesien → Berlin seit 1996

Geboren 1975, aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Oberschlesien — Mechnice, auf Deutsch Moosdorf — zwischen Äckern, Kühen und frisch gemähten Wiesen. Seit 1996 lebe ich in Berlin. Hauptberuflich arbeite ich im Bereich Marketing und Grafik. Wirklich bei mir bin ich jedoch unterwegs — zu Fuß.

Ich glaube daran, dass Gehen Perspektiven verschiebt, Grenzen auflöst — und einen freundlicher macht. Vor allem sich selbst gegenüber.